Biographie

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Idil Nuna Baydar, 1975 in Celle geboren, ist deutsche Comedienne, Schauspielerin und Social Influencer.

Im Dezember 2011 veröffentlichte sie auf YouTube ihre ersten Videos im Genre Sozialkritik mit Hilfe ihrer Kunstfiguren Jilet Ayse und Gerda Grischke. Nachdem sie die Millionenklickgrenze durchbrochen hatte, entwickelte sie 2014 ihr erstes abendfüllendes Comedy-Programm. Seitdem tritt sie in verschiedensten Kabarett- und Comedy-Sendungen im Fernsehen auf und spielt in ihrer Rolle als Jilet Ayse in diversen Internetformaten.

2015 wurde sie mit dem „Sonderpreis für Integration und Toleranz“ der Initiative Hauptstadt Berlin e.V. ausgezeichnet und ist ebenso Gewinnerin des Stuttgarter Besens 2016.

Live-Programme

Deutschland, wir müssen reden!, 2014-2016

Ghettolektuell, seit 2016

Internet

 Jilet Ayse Youtube-Kanal

taz-Videokolumne

Germania Portrait

MBLN – Mein Berlin

BR – PULS

Medien

ZDF – Aspekte

Der Freitag – Essay

n-tv – So! Muncu!

3sat Kabarett Festival

3sat – Pufpaffs Happy Hour

WDR – Ladies Night

WDR – Baustelle Deutschland

Kabarettpreis der Wühlmäuse

ARD – ttt – Titel Thesen Temperamente

ARD – Menschen bei Maischberger

ZDF – Markus Lanz

Night Wash

Tele 5 – Fat Chicken Club,

CCN – Comedy Central

RBB – Radio Eins

WDR – Mitternachtsspitzen

Arte Dokumentation – Humor und Muslime

Arte Info – Portrait mit Humor gegen Vorurteile

Deutschlandfunk Kultur

Metropol FM Kolumne

Planet Radio Kolumne

Vis a Vis – Polit Satire, Abbas Saberi

 

Schauspiel/Kino

 Nominiert für das Theatertreffen 2018:

„Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek – Regie: Falk Richter

Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Spielzeit 2017/2018

 

1001 Frau – Maxim Gorki Theater, 2010

Perfektes Leben – Maxim Gorki Theater

Koppstoff – Feridon Zaimoglu – Maxim Gorki Theater, 2002

Hüttenkäse – Maxim Gorki Theater

 

MARRY ME!, 2015

Einmal Hans mit scharfer Soße, 2013

 

Preise

Gewinnerin „Stuttgarter Besen“, 2016

Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz, 2015

 

 


GLOSSE
geschrieben von Idil Nuna Baydar

Am Sonntag fragte mich meine kleine Cousine Ayla (10 Jahre, 5. Klasse), wie das Wort Integration geschrieben wird. Ich wollte es ihr zeigen und ging auf duden.de. Duden.de scheint zu wissen, worum es wirklich geht unter Bedeutung und Beispiele findet man beim Wort Integration unter Punkt 2. Das Beispiel: „Die Integration der hier lebenden Ausländer ist nach wie vor ein dringendes Problem“. Fassen wir die Hauptworte zusammen, kommt da raus: Integration Ausländer Problem. Ayla sah mich erschrocken an: „Integration hat einen Ausländer als Problem?“. Wer der integrationsunwillige Problemausländer ist, ist schnell ermittelt: Alles, was schwarzhaarig ist, ungebildet (wissenschaftlich: bildungsfern), arm (wissenschaftlich: polymultible Vermittlungsschwierigkeiten) und moralisch fragwürdig (wissenschaftlich: potenzielle Gewaltbereitschaft) oder überhaupt viele dunkle Haare hat, zusammengefasst in dem landläufigem begriff ALI. Das Problem ist auch schnell hausgemacht: Ali spricht kein Deutsch? Oder hat viel zu viele dunkle Haare oder ist ein Dauerbeleidigteragressivermesserstecherschweinefleischabstoßenderdeutschenhassenderfrauenschlägermensch.

Ja, Integration ist eben nichts für schwache Nerven. Aber wer ist dieser Integration?
Was man gefälligst als Ausländer oder Neudeutschmigrant tun muss, um kein Problem darzustellen, ist ja mittlerweile kollektives Wissen: Der ausländische Migrant muss die deutsche Sprache können und muss sich der deutschen Leitkultur (Wer ist dieser Deutschland?) unterordnen. Er sollte möglichst nicht bedrohlich aussehen und Frauenrechtler sein; also eine Identitätsmatschepampe aus Goethe, CDU/CSU, blonder Junge von der Kinderschokoladenpackung und Alice Schwarzer. Und selbst wenn du es geschafft hast, deine Identität in genau diese Matschepampe zu verstümmeln, wann ist Integration eigentlich beendet? Wann? Gibt es ein Datum, eine Uhrzeit, einen Tag oder ein Jahr? Gibt es verifizierbare Anhaltspunkte, Fakten in den Akten oder erkennbare Symptome einer definitiv abgeschlossen Integration? Gibt es ein Integrationsabitur? Kann ich das irgendwo ablegen? Gibt es ein Amt für Integrationsabschlüsse (Kzw. IA), einen Ausschuss, Gremium, Jury? Irgendein Institut, das mir meine erfolgreich abgeschlossene Integration schriftlich bestätigt, damit ich meinen Migrationshintergrund hinter mich lassen und glücklich in einen Inklusionsvordergrund gehen kann? Die Zukunft der Integration? Und was kommt nach der Integration? In der Soziologie wird Integration in vier Phasen beschrieben: Exklusion, Separation, Integration, Inklusion. Denken wir die Phasen zu Ende, was bin ich dann? Bin ich dann die Integrierte der Integriertengruppe? Heißen wir dann Inkludierte von Migranten zu Integrierten bis zu Inkludierten? Werden wir dann Fragen beantworten, die anfangen mit: „Sie als Inkludierte dieser Gesellschaft, wie ist es denn so als inkludierte Exintegrationsmigrantin mit ausländischen Wurzeln in der deutschen Gesellschaft? Geht es Ihnen gut bei uns?