Biographie

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Idil Nuna Baydar (*1975 in Celle) ist eine deutsche Schauspielerin und Comedian. Ihre klischeehaft angelegten Kunstfiguren, die Berlinerin Gerda Grischke und Jilet Ayse, eine 18-jährige Kreuzberger Türkin, wurden über YouTube bekannt. Baydars Eltern sind türkische Einwanderer, die sich kurz nach ihrer Geburt trennten. Sie wuchs bei ihrer alleinerziehenden Mutter in Celle auf und besuchte eine Waldorfschule. Die Schule beendete sie mit dem Abitur. Heute lebt sie als Schauspielerin und Comedian in Berlin und arbeitete hier auch für Jugendeinrichtungen. Baydars YouTube-Kanal, auf dem sie seit 2011 selbstgeschriebene und selbstgespielte Stücke zum Thema Integration präsentiert, erreichte bis zu 80.000 Klicks pro Video. Im Fernsehen war sie in Kabarett- und Comedysendungen wie StandUpMigranten (EinsPlus), NightWash (Einsfestival), Pufpaffs (3sat) oder Ladies Night (WDR) zu sehen. Seit 2015 hat sie eine feste Rolle in der RTL-Fernsehserie Block B – Unter Arrest. Von 2012 bis 2014 war Idil Nuna Baydar als Jilet Ayse mit der Show „Isch schwöre …“ auf Bild.de auf Sendung. Am 29. September 2014 hatte ihr Comedy-Soloprogramm „Deutschland, wir müssen reden!“ in Berlin Premiere. Seitdem ist sie mit diesem Programm in ganz Deutschland auf Tour. Zudem ist Idil Baydar in verschiedenen Mixed-Shows in Deutschland, aber auch schon in Österreich und der Schweiz aufgetreten.


GLOSSE
geschrieben von Idil Nuna Baydar

Am Sonntag fragte mich meine kleine Cousine Ayla (10 Jahre, 5. Klasse) wie das Wort Integration geschrieben wird. Ich wollte es ihr zeigen und ging auf duden.de. Duden.de scheint zu wissen, worum es wirklich geht unter Bedeutung und Beispiele findet man beim Wort Integration unter Punkt 2 das Beispiel: „Die Integration der hier lebenden Ausländer ist nach wie vor ein dringendes Problem“. Fassen wir die Hauptworte zusammen, kommt da raus: Integration Ausländer Problem. Ayla sah mich erschrocken an: „Integration hat einen Ausländer als Problem?“ Wer der integrationsunwillige Problemausländer ist, ist schnell ermittelt: Alles, was schwarzhaarig ist, ungebildet (wissenschaftlich: bildungsfern), arm (wissenschaftlich: polymultible Vermittlungsschwierigkeiten) und moralisch fragwürdig (wissenschaftlich: potenzielle Gewaltbereitschaft) oder überhaupt viele dunkle Haare hat, zusammengefasst in dem landläufigem begriff ALI. Das Problem ist auch schnell hausgemacht: Ali spricht kein Deutsch? Oder hat viel zu viele dunkle Haare oder ist ein Dauerbeleidigteragressivermesserstecherschweinefleischabstoßenderdeutschenhassenderfrauenschlägermensch.

Ja, Integration ist eben nichts für schwache Nerven. Aber wer ist dieser Integration?
Was man gefälligst als Ausländer oder Neudeutschmigrant tun muss, um kein Problem darzustellen, ist ja mittlerweile kollektives Wissen: Der ausländische Migrant muss die deutsche Sprache können und muss sich der deutschen Leitkultur (Wer ist dieser Deutschland?) unterordnen. Er sollte möglichst nicht bedrohlich aussehen und Frauenrechtler sein; also eine Identitätsmatschepampe aus Goethe, CDU/CSU, blonder Junge von der Kinderschokoladenpackung und Alice Schwarzer. Und selbst wenn du es geschafft hast, deine Identität in genau diese Matschepampe zu verstümmeln, wann ist Integration eigentlich beendet? Wann? Gibt es ein Datum, eine Uhrzeit, einen Tag oder ein Jahr? Gibt es verifizierbare Anhaltspunkte, Fakten in den Akten oder erkennbare Symptome einer definitiv abgeschlossen Integration? Gibt es ein Integrationsabitur? Kann ich das irgendwo ablegen? Gibt es ein Amt für Integrationsabschlüsse (Kzw. IA), einen Ausschuss, Gremium, Jury? Irgendein Institut, das mir meine erfolgreich abgeschlossene Integration schriftlich bestätigt, damit ich meinen Migrationshintergrund hinter mich lassen und glücklich in einen Inklusionsvordergrund gehen kann? Die Zukunft der Integration? Und was kommt nach der Integration? In der Soziologie wird Integration in vier Phasen beschrieben: Exklusion, Separation, Integration, Inklusion. Denken wir die Phasen zu Ende, was bin ich dann? Bin ich dann die Integrierte der Integriertengruppe? Heißen wir dann Inkludierte von Migranten zu Integrierten bis zu Inkludierten? Werden wir dann Fragen beantworten, die anfangen mit: „Sie als Inkludierte dieser Gesellschaft, wie ist es denn so als inkludierte Exintegrationsmigrantin mit ausländischen Wurzeln in der deutschen Gesellschaft? Geht es Ihnen gut bei uns?